Yvonne, die Burgunderprinzessin

Dieses Stück von Witold Gombrowicz wird am Mittwoch, dem 28.Juni in der Holstenschule aufgeführt. Und zwar ab 19 Uhr.
Es geht um Intrigen.
Aber ist es nicht sexistisch, daß immer eine Frau im Mittelpunkt steht, wenn Intrigen das Hauptmotiv bilden?
Das legt doch nahe, daß wesentlich mehr Frauen als Männer intrigant seien.
Oder noch schlimmer:
„Der Man ist geradeheraus, die Frau verschlagen.“
Manche wiederum werden sagen, daß Frauen zwar in höherem Maße zu Intrigen neigen als Männer, daß das aber zu den Nachwirkungen des Patriarchats gehöre: Als Frauen ganz offiziell von der Macht ausgeschlossen waren, mußten sie sich eben auf irgendeine Weise zu helfen wissen, und die einzige Weise, die übrig blieb, war eben die Intrige.
Wieder andere werden sagen, de Umstand, daß Frauen zu Intrigen neigen, hänge damit zusammen, daß Frauen eben große Schwierigkeiten haben, sich physisch durchzusetzen: Da bleibe eben nichts anderes als die Intrige übrig.
Ich für meinen Teil bin da noch unentschieden und erlaube mir zu bezweifeln, daß Frauen überhaupt intriganter sind als Männer.
Es gibt da so einige Männer, die Ränkespiele treiben, und manchmal sogar, ohne sich einen Vorteil davon zu versprechen, aus Spaß an der Freude also. Aber, zugegeben, diese Männer wirken alle weibisch.
Übrigens: Ein Intrigant / eine Intrigantin ist doch recht einfach zu erkennen, zumindest wenn er oder sie nicht zu den begabtesten zählt:
Sie sprechen beständig im Unschuldstonfall, oder, anders gesagt: Ihr Ton behauptet stets, daß sie unschuldig seien.
Wenn aber jemand etwas behauptet / beteuert, ohne daß ein anderer das Gegenteil auch nur nahegelegt hätte, dann ist anzunehmen, daß eben dieses Gegenteil der Fall ist.
Spricht also jemand beständig im Unschuldston, dann deshalb, weil er sich beständig schuldig fühlt, in fast allem, was er tut.
(Das heißt natürlich nicht, das er ein schlechtes Gewissen hat. Möglicherweise hat er gar kein Gewissen.)
Schuld aber konzentriert sich fast immer auf einzelne Punkte (Vergehen, Verbrechen). Nur im Falle von Intrigen ist die Schuld flächendeckend, weil eine Intrige immer weitergesponnen werden will.
Daher sprechen Intriganten nicht nur hin und wieder, sondern immer im Unschuldston.
Aber andererseits: Wer intrigiert, der intrigiert zwar beständig, aber ist jemand ein Sadist, dann quält er nach Möglichkeit auch beständig (physisch oder psychisch).
Daraus folgt, daß man einen Menschen, der im Unschuldston spricht, doch nicht ohne weiteres als Intriganten erkennen kann.
Er könnte ebensogut ein Sadist sein.
Kann man den sadistischen vom intriganten Unschuldston unterscheiden?
Schwierige Frage.
Man kann wohl festhalten, daß der intrigante Unschuldston stets auch weibisch ist. Dieses Motiv klang hier schon an.
So, liebe Neumünsteraner, jetzt habt Ihr wieder etwas über das Wesen des Menschen gelernt.
Nach diesem überraschenden Lernerfolg können wir zum Stück zurückkehren.
Zurück zur lieblichen Kriemhild also, die sich mit dem eklen Etzel vereinigte, nur um fürchterliche Rache an Hagen von Tronje und nebenbei auch den drei Gs üben zu können. Und am Spielmann Volker.
Wie?
Die Burgunderprinzessin heißt hier gar nicht Kriemhild, sondern Yvonne?
Tatsache!
Yvonne also. Eine ganz üble Betriebsnudel ist das. Das kann ich Euch sagen. Eine seltsame Sekretärinnenpeinigerin und Ränkespinnerin.
Woran man sehr schön sehen kann, daß Sadismus und die Neigung zu Intrigen oft gemeinsam auftreten. In einer Person.
Wenn Ihr aber wissen wollt, welches gute oder böse Ende es mit Yvone nimmt, dann seht Euch das Stück halt an.
Man hat schließlich zwar so manche Kosten, aber wenige Mühen gescheut, um es auf die Bühne zu bringen.
Das sollte man zu schätzen wissen.