Die Titte der Kellnerin auf der Schulter des Gastes

Es soll hier davon berichtet werden, was mir in einem Neumünsteraner Cafe geschah.
Den Namen werde ich nicht verraten, sonst könnte es rechtliche Probleme geben, was weiß denn ich!

Also: In recht großer Gesellschaft befand ich mich neulich nachmittags in diesem Cafe.
Kaffee und Kuchen waren gut, das muß man sagen, und die Kellnerin war durchaus nicht unfreundlich. Aber eins fiel doch auf: Diese recht kleine Person parkte beim Eingießen immer ihre linke Titte auf der rechten Schulter des Gastes. Ob sie sich, so abgesichert, eine höhere Zielgenauigkeit beim Eingießen erhoffte?
Das wird es wohl kaum gewesen sein.
Aber es war wirklich offensichtlich: Sie machte ihre Runde um den großen Tisch, und bei jedem Eingießen küßte ihre linke Milchdrüse die Schulter eines dürstenden Gastes.

Warum machen Frauen sowas?
– –
Wie bitte?
Die Frage wäre pauschal und daher sexistisch?

Ich sage ja nicht, daß alle Frauen das machen.
Aber ich habe es auch vorher schon bei anderen gesehen. Nötig ist das wohl kaum, um eingießen zu können. Und hier war es eben besonders auffällig.
Es bleibt also die Frage: Warum?
Da habe ich eine Theorie:

Wenn Kellnerinnen Gäste bedienen, ergibt sich daraus an sich kein hierarchisches Verhältnis:
Die Kellnerinnen arbeiten eben, während die Gäste ihre Freizeit gestalten.
Dennoch wirken die alten Verhältnisse, in denen der Bedienende eben ein Dienender war, ein Mensch, der zum Personal gehörte, während der Bediente ein Herr war oder eine Herrin, im Geiste fort.
Das heißt, die Bedienende fühlt sich auch heute noch den Gästen untergeordnet, und dieses Gefühl ist gewiß kein angenehmes.
Was ist dagegen zu tun?
(Wohlgemerkt, wir sprechen hier nicht von bewußten Prozessen und Entscheidungen: Das Gefühl, untergeben zu sein, ist der Kellnerin ebensowenig vollständig bewußt wie ihre Art des Eingießens.)
Die Kellnerin beginnt, sich als Ernährende zu begreifen und die Gäste als ihre Kinder.
Genauer: Sie ist die Mutter, die Gäste bilden ihr ideelles Gesamtbaby.
Daher berührt ihre Dudel den Gast, während sie eingießt.
Beide Vorgänge zusammengenommen, ist das, als würde sie einem Säugling Milch geben.
Auf diese Weise kehrt sie das von ihr angenommene hierarchische Verhältnis um.