Neumünster-Blog: Das Weblog von Neumünsteranern für Neumünsteraner

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Do
20
Apr '06

Verdammte Schlesier

Am vorvergangenen Sonntag beging der Kreisverband Neumünster der “Landsmannschaft Schlesien” einen Heimatnachmittag inklusive Jahresversammlung.
Politisch engagierte Neumünsteraner, wo seid ihr?
Ist so etwas denn keine Demonstration wert?
Ist Euch denn nicht bekannt, daß diese “Landsmannschaft Schlesien” und der “Bund der Vertriebenen” revanchistische Organisationen sind?
Die Mitglieder glauben noch immer, ein Anrecht auf die ehemaligen deutschen Ostgebiete zu haben.
Ihre Sprecher haben natürlich Kreide gefressen und werden nicht so deutlich, wie es den meisten Mitgliedern lieb wäre.
Aber seht Euch doch nur mal den Namen an:
“Landsmannschaft Schlesien”! Diese Bezeichnung beinhaltet, daß das doch längst in Polen aufgegangene Schlesien noch immer existiere und daß die Mitglieder der “Landsmannschaft” seine rechtmäßigen Bürger (Eigentümer) seien.
Als sei der Verlust der Ostgebiete nicht Konsequenz deutscher Schuld:
des Überfalls auf Polen, der Terrorisierung der polnischen Bevölkerung, des industrialisierten Massenmordes, der Zerstörung Warschaus.
Und die Täter stellen sich nun als Opfer dar, indem sie ein “Zentrum gegen Vertreibungen” fordern.
Wes Ungeistes Kind auch die organisierten Schlesier sind, demonstrierte Kulturreferent Heinz Lellek bei der Veranstaltung am Sonntag.
Dort führte er aus:
“Schlesien, das Land an der Oder, ist schon seit 70.000 Jahren bewohnt. Erst seit Christi Geburt kennen wir ihre Namen: Nordgermanen, Wandalen, Silinger, ab dem Jahre 600 die Slawen.”
Die Kieler Nachrichten zitieren dies unkommentiert, was mich nicht wundert. Einige Anmerkungen aber sollten sein:
1. Das Land Schlesien existierte vor 70.000 Jahren ebensowenig wie heute.
2. “Ihre Namen”? Die Namen der Jahre? Ein anderer Bezug ist hier nicht möglich. Lellek aber meint selbstredend die Namen der Völker. Deutsch ist selten eine Stärke derer, die stolz darauf sind, Deutsche zu sein.
3. Die Geburt Christi erlöste die Menschen aus dem Dunkel der Unwissenheit über das Land Schlesien. Seitdem kennen “wir” die Namen der Völker – der Mann sollte es tatsächlich auf ein Alter von über 2000 Jahren bringen?
4. Germanische Völker / Stämme werden im einzelnen genannt; dagegen ist undifferenziert von “(den) Slawen” die Rede, die damit als dunkles, feindliches Gegenüber erscheinen.
5. Seit Christi Geburt und seit 600 – vor einem schlesischen Kulturreferenten muß auch die Geschichte stramm stehen. Krumme Zahlen und ungefähre Angaben werden nicht geduldet.
6. Wir waren zuerst da, also haben wir ein Recht darauf: Das ist die wesentliche Botschaft des Satzes dieses Germanen mit dem slawischen Namen.

“Schlesien bleibt unser” – so lautete ein Motto der “Landsmannschaft” in den achtziger Jahren.
An dieser Haltung hat sich bis heute nichts geändert.
Na, Neumünsteraner, seht Ihr immer noch keinen Handlungsbedarf?
Meint Ihr immer noch, es bestehe ein deutlicher Unterschied zwischen einer Schlesier-Versammlung und einem Neonazi-Auflauf?