Neulich im Lokschuppen: Vagina-Monologe

Einerseits ist es berüchtigt, andererseits wird es belächelt:
Das Stück „Vagina-Monologe“.
Und so beginnt der Artikel in den Kieler Nachrichten über das Weibsstück, daß vom Theater Combinale Lübeck aufgeführt wurde:

„Manche nennen sie Hildegard, Marika Rökk oder ´die gute Stube´, für andere heißt sie Tschoubidou: Wissenswertes aus dem Reich des weiblichen Südens …“

und so weiter und so fort.
Hat da ein Redakteur / eine Redakteurin dem Verstand hitzefrei gegeben?
Aber so heiß war es doch gar nicht Anfang September, als der Artikel geschrieben wurde. Dann muß es wohl an innerer Hitze gelegen haben.
Gehen wir doch die verhüllenden Bezeichnungen des zitierten Artikelanfangs der Reihe nach durch:

Hildegard?
Da schaue ich doch gerade mal im Lexikon nach …
Also, „Hilde“ geht auf ein althochdeutsches Wort zurück, das „Kampf“ bedeutet.
Die Bedeutung des zweiten Teils (-gard) ist unbekannt.
Da sind wir auf Vermutungen angewisen:
Hildegard=Kampflesbe?
Gleichviel, es erklärt nicht, warum man die Vagina ausgerechnet Hildegard nennen sollte.
Da kann man ja mit jedem weiblichen Vornamen kommen.
Also weiter:
Marika Rökk?
Irgendeine Unterhaltungsmumie aus der NS-Zeit.
Mir auch völlig unverständlich.
Die gute Stube?
Na, das ist doch wenigstens verständlich.
Ein Raum eben, in den liebe Menschen anderen Geschlechts gern eingeladen und mit Flüssigem bewirtet werden.
Aber wie nennt man dann eine Vergewaltigung?
Haus- und Stubenfriedensbruch?

Und nun auch das noch:
Tschoubidou!
Da wird es doch gar zu kindisch.
Sollte sich darin ein Wunsch ausdrücken?
„Tschou“ klingt schließlich wie englisch „chew“: kauen.
Das erinnert mich an die Ausdrucksweise von Afroman in dessen Hit „Because I got high“:

„I was gonna make love to you,
but then I got high.
I was gonna eat your pussy, too,
but then I got high.
Now I´m spanking off
and I know why:
because I got high,
because I got high,
bacause I got high.“

Zu deutsch etwa:

Ich war im Begriff, mit Dir geschlechtlich zu verkehren,
aber dann war ich infolge der Einnahme illegaler Drogen benebelt.
Ich war auch bereit, Deine Muschi zu essen,
aber dann war ich infolge der Einnahme illegaler Drogen benebelt.
Nun hole ich mir einen runter (oder zwei, oder drei, das geht aus dem Wortlaut des Originals nicht hervor; Anmerkung des Übersetzers),
und ich weiß warum:
weil ich infolge der Einnahme illegaler Drogen benebelt war,
weil ich infolge der Einnahme illegaler Drogen benebelt war,
weil ich infolge der Einnahme illegaler Drogen benebelt war.

Zugegeben, das war jetzt ein wenig umständlich, aber so weiß wenigstens jeder, was gemeint ist.

Aber so ist das wohl zu verstehen:
Tschoubidou=Chew! Be! Do!
Chew!
Be!
Do!
Das bedeutet: Kaue (Genauer:Zunge, Zähne und Lippen sollen zum Einsatz kommen.)
Sei (so ieb!)
Tu (es!)
Eine Aufforderung einer Frau an einen Mann also.
Aber lest doch mal den Anfang des Romans „Moskauer Schönheit“ von Jerofejew (und gleicht das Gelesene mit eigenen Erfahrungen ab, sofern vorhanden). Von unterschiedlichen Tschoubidou-Aromen ist da die Rede:
Bergamotte,
Steinpilz
und vieles andere.
Aber eben auch Bratfisch.
Die Aufforderung Chewbedo können sich eben nicht alle Frauen leisten.
Daher ist der Name Tschoubidou nicht in jedem Fall geeignet.
Was gibt es für Alternativen?
Silberbüchse?
Pantoffeltierchen?
Schweifrutsche?
Sahnegrübchen?
Damit soll es nun aber auch genug sein.
Nur das noch:
Es ist längst erwiesen, daß Frauen um ein Vielfaches mehr reden als Männer.
Und was nun die Vagina-Monologe betrifft:
Redet, was statt zwei Lippen vier hat, doppelt soviel, oder müssen wir hier gar die Potenz berechnen?